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„da kennt man jemand fünf minuten und berührt ihn an allen stellen seines körpers. und wird ihn wahrscheinlich nie wiedersehen.
wenn er ermordert würde, fände man vielleicht meine spuren an ihm. aber niemand wüsste wer ich bin. wieviele menschen sind schon von wievielen berührt worden. es wäre lustig wenn man die fingerabdrücke auf dem körper sehen würde die jemand anderes auf dem eigenen körper hinterlassen hat. wenn die haut das speichern würde. und man würde die fingerabdrücke der geliebten, der affären, der beziehungen immer auf dem körper behalten wie ein sichtbares gedächtnis.
dann könnte man die geschichte sehen, die jeder hat. je nach intensität und dauer wären die abdrücke unterschiedlich dunkel oder markant. meine mutter hätte dann wohl nur einen sehr dunklen abdruck. und vielleicht einen kleinen ganz hellen und sehr verblassten. ich hätte einen ganz dunklen einige mitteldunkle und einige helle. vielleicht würden manche gar keine abdrücke hinterlassen nur spuren weil sie so schnell wieder vergessen wurden. alle menschen wären tätowiert, hätten eine sichtbare geschichte. anhand des körpers könnte man sich erinnern. man könnte an die orte der geliebten gehen wie an ein liebevoll gepflegtes grab. man könnte sie entstellen und zerkratzen, man könnte sie in sehnsucht streicheln. die abdrücke würden einem die illusion rauben man wäre immer wieder fähig von vorne anzufangen. man würde gesehen wie man doch eigentlich ist. eine sammlung aus geschichten. die in einem weiterleben.“

 
 

"Die Strategie besteht also darin, eine Suchoperation in Gang zu setzen, um den Anderen [...] davon zu überzeugen, dass man das, wonach man sucht, noch nicht besitzt. Anders gesagt, man täuscht einen Mangel bzw. ein Bedürfnis vor, um vor dem Anderen zu verbergen, was man bereits besitzt, das agalma, das innerste Geheimnis des Anderen."

Slavoj Žižek, in: Die gnadenlose LIebe